Deadbaiting mit Meeresfischen

Autor: Axel Reingruber

Meeresfische als Köder auf Hechte ist eigentlich schon ein alter Hut. In England schon lange Gang und Gäbe wird es hierzulande oft noch misstrauisch oder kaum versucht. Ich experimentiere bereits seit 11 Jahren mit Meeresködern und bin nach wie vor begeistert. Es ist kein Allheilmittel aber ein wichtiges weiteres Ass im Ärmel.

Mein erstes Schlüsselerlebnis mit Meeresködern hatte ich 2007 mit einer Fangserie die ich bis heute nicht mehr in der Form toppen konnte.

Um einen besseren Einblick zu gewähren, möchte ich zuerst das Gewässer näher beschreiben:

Ein typischer großer Karpfenteich, zwischen 1,8 und 0,8 m tief mit Lehmboden, keinen besonderen Bodenstrukturen und einer ganzjährigen Sichttiefe von maximal 15 cm.

Nicht gerade das, woran man bei typischen Hechtgewässern denkt. Ich wusste aber von früheren Besatzmaßnahmen, dass Hechte in annehmbaren Größen da sein sollten.

Allerdings gefangen wurden bis dato keine. Weder auf Rotauge, die massenhaft im See vorkamen, noch auf Kunstköder.

 Nach einiger Überlegung war die Köderwahl klar: ganze, etwa 15 – 20 cm lange Sardinen aus der Tiefkühltruhe vom Lebensmittelhändler. Wer ein bisschen sucht findet ganze, also incl. Eingeweide und Kopf. Der penetrante Duft der Meeresfische sollte den Hechten auch im trüben Wasser den Weg weisen.

Meinem Friedfischschema folgend, kam nun logischerweise das Anfüttern. Am Vorabend des Angeltages warf ich 4, der in 3 cm große Stücke zerschnittenen Sardinen an meiner Angelstelle auf 25 qm verteilt ein.

Gespannt wie ein Regenschirm, ob die Taktik aufgehen würde, fuhr ich am nächsten Nachmittag ans Wasser. Es war bedeckt und ein leichter Westwind kräuselte die Wasseroberfläche: ideale Bedingungen. Eine Rute fischte ich traditionell mit einem 10 g tragenden Schwimmer und einer ganzen Sardine in 60 cm Tiefe, also 20 cm über Grund. Die andere ganz in Karpfenanglermanier mit einem Laufblei von 50 g und einer halbierten Sardine. Die Bisserkennung garantierte ein elektronischer Bissanzeiger und ein  Drop-Off-Indikator.

Die Köder im Wasser, begann ich zu warten und zu zweifeln, ob Esox genauso überzeugt von meiner Vorgehensweise ist, wie ich es war. Die Zweifel waren absolut unbegründet, ich konnte in den nächsten Tagen  14 Hechte fangen, der größte davon 97cm und 14 Pfund , natürlich auf Sardine. Ich war absolut baff vom Erfolg der Taktik und vor allem der Menge an großen Hechten, die der Weiher bereit hielt.

Dies ist einerseits durch das reichliche Nahrungsangebot zu erklären. Andererseits denke ich das Hechte dieser Größe fast alle anderen Köder und Methoden schon kennen gelernt haben, mit der völlig neuen Vorgehensweise sind sie aber noch nicht vertraut.

Interessant war auch, dass immer mehr Bisse auf die Grundrute erfolgten, während die Schwimmerrute zusehends an Effektivität verlor. Die Räuber schienen sich daran zu gewöhnen, die Brocken vom Grund aufzusammeln oder wollten aufgrund der sinkenden Temperaturen lieber einen statischen Köder.

Der Kopfteil des Köders wird schräg abgeschnitten, so dass eine Keilform mit Spitze an der Rückenseite entsteht. Anschließend zieht man das Stahlvorfach entlang der Wirbelsäule durch den Fisch. Der  Einzelhaken oder Drilling sitzt so an der breitesten Stelle mittig im Rücken und sollte mit den Hakenspitzen nur sehr knapp über die Ränder des Fisches vorstehen. So können sich Blätter und ähnlicher Unrat nicht am Haken verfangen. Beim Biss drückt der Hecht das weiche Sardinenfleisch zusammen und der Haken kann frei greifen. Die Weichheit des Köders ist aber auch das größte Problem der fettigen Meeresfische. Ködert man jedoch noch halb gefrorene Stücke linear an und nutzt den Drilling oder Einzelhaken, wie beschrieben zur Abstützung des Ganzen, sind auch mehrere und weitere Würfe möglich. Keine Angst wenn die Hakenspitzen verdeckt sind, dass sieht im ersten Moment zwar nicht vertrauenerweckend aus, funktioniert aber zweifellos. Von einem Sitz des Drillings an der Köderflanke ist abzuraten, da der aufgetaute Köder, dann auf dem Vorfach zusammensackt und beim Einkurbeln zerfällt. Früher habe ich noch Drillinge benutzt, inzwischen, nach einigen Jahren experimentieren sind mir Einzelhaken oder Circle Hooks wesentlich lieber.

Der Anhieb sollte bei dieser Methode möglichst sofort beim Biss gesetzt werden, da fast nur größere Hechte Meeresfische nehmen und diese durch das Einsaugen vom Grund, den Köder sofort ganz inhalieren. Nur ein zeitiger Anhieb verhindert tief gehakte Fische.

Da Großhechte nicht so dicht gesät sind, plädiere ich sehr dafür, diese aus Gründen der Bestandserhaltung nicht oder nur selektiv zu entnehmen. Schonendes Zurücksetzten ist aber nur bei Fischen problemlos möglich, die im vorderen Maulbereich gehakt sind, also besser sofort anschlagen.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass die Methode scheinbar nur in Gewässern, mit der beschriebenen geringen Sichttiefe wirklich gut funktioniert, da sich die Hechte hier mehr auf ihren Geruchssinn verlassen, weniger auf ihre Augen.

 

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